Manipulationsmanöver in Beziehungen

By | 21. Dezember 2014

Menschen, egal, ob es Freunde, Liebespartner oder Arbeitskollegen sind, können sich gegenseitig manipulieren (zum Unterschied zwischen Kommunikation und Manipulation siehe diesen Beitrag hier: https://www.lea-fuhs.de/kommunikation-vs-manipulation/).

  • Ziel in Teil I ist es, möglichst viele Manöver zu sammeln und zu ordnen, wobei immer ein mögliches Gegenteil jeweils aufgezeigt wird (außerdem benutze ich bewusst eher Alltagsbegriffe als Fachbegriffe).
  • Teil II behandelt die Frage, wann Manipulation etwas Schlechtes ist.
  • Teil III beinhaltet Ideen zur Selbstverteidigung gegen manipulativ-schädliche Manöver.

Teil I) Welche Manipulationsmanöver gibt es und wie kann man sie ordnen?

Es gibt laut meiner Erfahrung drei Gruppen von Manipulationsmanövern:

  1. Abwertung der Anderen (eigentlich: der Andersdenkenden & der Argumente)
  2. Ablenkung und andere Ausweichmanöver (Ausflüchte)
  3. Verzerrungen (Dinge aufblasen, klein reden u.Ä.)

1) Abwertung der Anderen

  • Beschuldigen, Vorwürfe, Anklagen (statt sich selbst ehrlich zu entschuldigen oder sich zu fragen, was man selbst verkehrt gemacht hat)
  • Erzeugen von Schuld, Scham, Schande in anderen (statt eigene negative Selbstanteile anzusehen)
  • alle Thesen schlechtreden / niedermachen (statt Einfühlungsvermögen)
  • Fertigmachen der Anderen („Verdammung der Verdammenden“, statt Einsicht oder Empathie)
  • Kenn-ich-nicht,-gibts-auch-nicht (oder Hab-ich-noch-nie-gehört-Argument, statt sich wenigstens kurz darauf einzulassen, oder die eigenen Einstellungen zu hinterfragen)

2) Ablenkung und andere Ausweichmanöver (Ausflüchte)

  • Opfer spielen (keine Verantwortungsübernahme, statt etwas einzusehen oder anzunehmen)
  • Leugnen / Verdrehen von Verantwortung (statt sie zu übernehmen; keine Einsicht)
  • Eröffnen von Nebenkriegsschauplätzen (andere oder lose verwandte Themen eröffnen, statt am Thema zu bleiben)
  • Zusammenhänge herstellen, wo keine sind / Verwirrung stiften (statt Aufklärung zu unterstützen)
  • Provokation, meist in Form von Unterstellungen (direkt, indirekt, statt aggressionsbefreit zu kommunizieren)
  • absichtlich schwammige Aussagen (statt wasserdichte Aussagen zu machen)
  • Fragen gezielt nicht beantworten (untergehen lassen, ignorieren, statt vollständig darauf einzugehen)
  • Mitleids-Appelle (lat. „argumentum ad misericordiam“, X-kann-doch-nicht-anders-hab-Mitleid-mit-X-Behauptung, statt Erklärungen und Entschuldigungen strikt zu trennen)

(Sowohl Ablenkung als auch Abwertung)

  • Zurückschießen (du-bist-auch-nicht-besser [lat. „tu quoque“], statt am Thema / nüchtern zu bleiben)
  • persönliche Angriffe (du-willst-doch-nur [lat. „argumentum ad personam“], statt am Thema zu bleiben)
  • Einwände bewusst zurückhalten (evtl. Hintergedanke: „Das zahl ich dir später doppelt heim“, statt rechtzeitig den Mund aufzumachen)

3) Verzerrungen

  • Übertreibungen, aufblasen (statt realistisch zu bleiben)
  • Verharmlosen, klein reden (statt einfühlsam zu sein oder jemanden ernst zu nehmen)
  • Verallgemeinern, Ausdehnen auf andere Bereiche (statt am Thema zu bleiben)
  • Drama, etwas schlimmer machen, als es ist (statt ruhig zu bleiben)
  • Lügen und Dinge erfinden (statt die Wahrheit zu sagen); siehe auch „Gaslighting“
  • Umformulieren, Worte im Mund rumdrehen, sodass sie selbst besser dastehen (statt Einsicht)
  • schwarz-weiß-Denken / entweder-oder-Denken / falsche Dilemmata (statt die Welt / sich selbst / eine Sache realistisch-differenziert zu betrachten)
  • Strohmann-Argumente (Thesen der Anderen verzerren und die Verzerrung widerlegen, statt die Thesen selbst – oder jemand kämpft gegen komplett erfundene Probleme.)
  • Der Zweck heiligt die Mittel“ als kaltherziger Pragmatismus (statt Verantwortung für die Wahl unlauterer Mittel zu übernehmen)

Diese Manöver werden oft miteinander kombiniert, sodass sie sich gegenseitig verstärken.

Wiki-Quellen hierzu:

Teil II) Wann ist Manipulation etwas Schlechtes?

Die aufgelisteten Manipulationsmanöver sind meiner Meinung nach dann schlecht, wenn sie gezielt Menschen schädigen sollen. Sie sind nicht per se schlecht, sondern eher dann, wenn sie massiv eingesetzt werden und/oder nur den Interessen der Täter (der Kläger, der Verfolger) dienen und zu Kosten der Anderen (Angeklagten, Opfer, „Zielscheiben“) gehen. Machtdurchsetzung per Manipulationsgewalt braucht Gegenwehr. Der Beitrag hier soll aufklärerisch zur Gegenwehr beitragen.

Zum Begriff Manöver (oder Manipulationsmanöver) :

Theoretisch ist er neutral und nimmt erst in konkreten Interaktionen eine negative oder positive Gestalt an (oder hat entsprechende Effekte). Jedes dieser Manöver kann man zum gesunden Selbstschutz benutzen. Aber das, worauf ich anspielen wollte, ist eher ein aggressives, gestörtes Hauen und Stechen, das vielleicht in einer Persönlichkeitsstörung wurzelt. Dabei macht es einen dicken Unterschied, ob jemand aggressiv-manipulativ seinen Willen durchsetzen will oder ob sich jemand passiv-verteidigend gegen eine Grenzüberschreitung wehrt (das Eine ist Misshandlung anderer Menschen, das Andere ist Selbstverteidigung – der Unterschied ist wichtig).

Die drei Kategorien sind für mich nicht einfach zu trennen; manche Taktiken lenken ab, werten ab und verzerren Tatsachen gleichzeitig. Trotzdem glaube ich, dass sie helfen können. Hoffentlich ist es mir insgesamt gelungen, einen Überblick der Manöver zu liefern und zu zeigen, was eigentlich das jeweilige Gegenteil sein könnte.

Teil III) Ideen zur Selbstverteidigung gegen manipulativ-schädliche Manöver

Gegen Abwertungstaktiken kann man sich wehren, indem man sie

  • korrigiert (sachlich paraphrasieren, was eigentlich gesagt wird)
  • parodiert (die Andeutungen total übertreiben und ins Lächerliche ziehen)
  • spiegelt (darauf hinweisen, dass das Gegenüber auch kein Heiliger ist)
  • umfokussiert (weg vom Abwerten, hin zur unterstellten Problemlösung- was ist denn eigentlich das Problem und wie wurde es gerade „gelöst“?)
  • offenlegt (z.B. nachfragen, ob tatsächlich gerade eine Abwertung beabsichtigt war und an konkreten Worten festnageln, falls der Manipulationsmensch flüchten will)
  • rationalisiert (z.B. „Ich schulde dir nichts, egal, wie sehr du versuchst, mir das einzureden.“)

Gegen Ablenkung, Ausweichen und Ausflüchte kann man sich wehren, indem man

  • Verantwortung aufzeigt („du hast … selbst entschieden und dafür bin nicht ich verantwortlich“)
  • selektiert („Meine Verantwortung besteht hier in… und deine in…“)
  • zurückführt (zum eigentlichen Thema)
  • identifiziert (falsche Zusammenhänge identifizieren oder ignorieren)
  • korrigiert (Provokationen und Unterstellungen richtig stellen, parodieren oder ignorieren)
  • konkretisiert (schwammige Aussagen in feste Aussagen umwandeln, darauf bestehen)
  • nachhakt (bei Fragen, die weggelassen wurden)
  • differenziert (ein Verhalten zu erklären ist nicht das gleiche, wie es zu entschuldigen!)

Gegen Verzerrungen kann man sich verteidigen, indem man

  • paraphrasiert (nur das beibehalten, was realistisch / vernünftig ist)
  • korrigiert (Verharmlosungen und Lügen als solche richtig stellen, statt zuzulassen, dass sie klein geredet und/oder anders neutralisiert werden)
  • kommentiert („Jetzt hast du’s verallgemeinert, darum ging’s doch gar nicht.“)
  • nüchtern bleibt (besonders bei Drama)
  • ausweitet (aus schwarz-weiß-Denken / entweder-oder-Denken / falsche Dilemmata wird dann graues Denken, sowohl-als-auch, und „Dilemmata“ mit mehr als nur zwei Optionen)
  • diagnostiziert (Strohmann-Argumente als solche offenlegen)

Wie man sieht, ist in vielen Fällen eine Korrektur bzw. eine Offenlegung angebracht. Neben dieser Palette an Selbstverteidigungsmechanismen gibt es auch die Möglichkeit, den Kontakt abzubrechen. Wann welche Strategie angemessen ist, muss jeder Mensch für sich entscheiden.

Die Strategie, Empathie bei solchen Manövern zu zeigen, ist ambivalent. Sie kann sich lohnen (wenn z.B. der Andere mit ehrlicher Dankbarkeit reagiert), sie kann aber auch missbraucht werden (z.B. als Freifahrtschein für weitere Fehltritte).

Kurz zusammengefasst:

  • Manipulationsmanöver könnten sich in drei Gebiete einteilen lassen (Abwertung, Ablenkung, Verzerrung) und man sollte sie in Gegensatzpaaren auflisten, damit man weiß, was das Gegenteil ist.
  • Manipulationsmanöver sind erst dann schlecht, wenn sie massiv-chronisch eingesetzt werden und anderen Menschen schaden (statt dass man sie ab und zu zwecks Selbstschutz oder Selbstbehauptung verwendet, was niemandem schadet).
  • Die beiden Haupt-Selbstverteidigungsmechanismen könnten Offenlegung und Korrektur sein.

3 thoughts on “Manipulationsmanöver in Beziehungen

  1. Charlesodons

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  2. Sabine Heitmann

    Liebe Frau Fuhs,

    auf der Suche nach Abwehrmöglichkeiten gegen Grenzüberschreitung bin ich glücklicherweise auf Ihrer Seite gelandet!
    Zu meiner Problematik: Nach Mobbing durch meinen direkten Vorgesetzten (Vorstand) mit allem „Drum + Dran“ hab ich mich vor 3 Jahren mit einem kleinen Second-Hand-Shop selbständig gemacht und war bisher richtig glücklich damit… Mitte April konnte ich dann keine weitere Ware mehr annehmen, was ungewöhnlich negative Reaktionen bei meinen Kundinnen auslöste, wie z. B. dass eine Kundin meinte, mir „noch sagen zu müssen“ dass sie sich sehr über mich geärgert hätte, nicht des Inhalts wegen, sondern weil mein Tonfall hämisch gewesen wäre. Als meine „Standardantwort“ (es gut mir leid, dass es so bei Ihnen angekommen ist, das war natürlich nicht meine Absicht) sie nicht ausbremste, sondern sie immer weiter ausholte, ging ich richtig ab und hätte sie am liebsten rausgeschmissen :-) Danach aber, war ich 4 Tage richtig krank (Kreislaufkollaps) und die Freude am Laden gänzlich verloren.
    Der Freundeskreis meint, ich solle mir ein dickeres Fell zulegen – der Weg dahin wäre eine LMAA-Haltung :-))
    Ich denke jedoch, dass mein Problem darin besteht, dass ich mich wieder in einer gefühlten Manipulations-/Mobbingsituation befinde und dabei die Grenzüberschreitung (vom geschäftl. ins Persönl.) für mich das Allerschlimmste ist.
    Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass ich – nach 4 geschlossenen Tagen – richtig Angst habe vor erneuten Vorwürfen und pers. Fragen (was hatte Sie…, sie sind auch viel zu dünn…) hab und darum bin ich richtig dankbar, hier Ihre Strategien gefunden zu haben!
    Ich geh mal davon aus, dass ich reichlich Möglichkeiten zum Üben haben werde, so dass ich irgendwann souverän mit solchen Situationen umgehen kann.
    Herzlichen Dank dafür und liebe Grüße

    Sabine Heitmann

    Reply
    1. Lea Fuhs Post author

      Hallo Frau Heitmann,
      Danke für Ihren Kommentar. Ich freue mich, wenn mein Artikel Ihnen helfen konnte :) Man kann auch imaginär üben oder mit Freunden Rollenspiele machen, falls „in echt“ noch zu viel ist. An mir selbst merke ich, dass die Gefahr besteht, paranoid zu werden, also zu glauben, dass viele nur böse Absichten hegen etc. auch wenn das nicht unbedingt stimmt. Im Arbeitsleben hilft mir ein freundliches miteinander reden, genau so lange, wie es mich an meine Ziele bringt und für keinen Streit sorgt. Wenn ich irgendwie dazu gezwungen werden sollte, Dinge zu tun, die illegitim und/oder illegal sind, dann werde ich streiten und deutlich Nein sagen. Mit dem Thema Burnout kann ich mich auch identifizieren. Vielleicht mögen Sie ja einen anderen meiner Artikel dazu lesen: http://www.lea-fuhs.de/burnout-vs-depression/ Ich kenne Menschen, die austicken, zur Genüge, das ist bestimmt bei Ihnen auch so, dass man sie erstmal schimpfen lassen muss, weil sie in ihrer Tirade gar nicht zugänglich sind für Worte. Erst, wenn es langsam abklingt, kann man auf ihre Ziele und Wünsche eingehen oder eben darauf, warum sie nicht umsetzbar sind.

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