Machtkämpfe zwischen Eltern und Kind

By | 19. September 2014

(eine psychologische Analyse)

Machtkämpfe kommen anscheinend sehr oft vor und gehören zu den Standardproblemen in der Erziehung. Ich fragte mich: Wie kann man das erklären, dass es vorkommt? Warum kämpfen da zwei Menschen (meist Kind und Eltern) gegeneinander? Um es zu reflektieren, benutzte ich drei Perspektiven.

1) Eine behavioristisch-verhaltensanalytische Perspektive:

Man kann hier wohl ganz gut mit den Begriffen Belohnung und Bestrafung arbeiten. Da bietet sich das SORKC Schema (was diese Begriffe integriert) aus der Verhaltenstherapie gut an:

  • S: Welche Reize, Verhaltensweisen, Situationen führen eigentlich zu einem Kampf?
  • O: Wer hat welche individuellen Voraussetzungen und Neigungen (Gewohnheiten)?
  • R: Wie reagieren alle Beteiligten darauf (emotional, kognitiv, körperlich, Verhalten)?
  • K: Wie oft führt diese Situation zu diesen Konsequenzen? Regelmäßig?
  • C: Welche positiven und negativen Konsequenzen zieht das nach sich?

Fiktives Beispiel:

  • S: Das Kind hat eine andere Meinung, was die Kleidung angeht, als die Mutter. Es weigert sich, eine Hose zu tragen, die es hässlich findet.
  • O: Das Kind neigt zum Trotz und die Mutter neigt zum Kämpfen
  • R: Kind stellt sich stur, verschränkt Arme, denkt „vergiss es“ und fühlt Empörung. Die Mutter versucht, sich durchzusetzen, redet weiter, denkt „du sturer Bock, jetzt mach schon“ und fühlt Wut.
  • K: Das geht fast immer so. Ein Machtkampf folgt regelmäßig.
  • C: Streit und trotzige Stille hinterher. Meistens gibt es einen „Gewinner“ und einen „Verlierer“. Höchst wahrscheinlich wird das Kind sich stolz und belohnt fühlen, weil es gewonnen hat und daher wird es nächstes mal genauso trotzig reagieren. Die Mutter wird sich vielleicht gestresst und gestraft fühlen, aber weil ihr Bedürfnis nach Mitbestimmung nicht gestillt wurde, wird sie nächstes Mal vielleicht wieder „loslegen“ und versuchen, ihren Willen durchzusetzen. Hier wird allerdings „Mitbestimmung“ mit „Macht durchsetzen“ verwechselt.

Mitbestimmen sähe eher so aus, dass man sich gegenseitig ernst nimmt und Druck / Macht überflüssig wird. Man redet miteinander, nicht gegeneinander. Auf einer Augenhöhe, kooperierend, nicht von oben herab, kämpfend. Ab welchem Alter man so rational handeln sollte, weiß ich allerdings nicht. Das variiert je nach Autor; ab etwa 5 Jahren scheint es angebracht zu sein (A.S.Neill, Summerhill School).

Was man dagegen tun könnte:
Meistens sollte man dieses Muster an irgendeiner Stelle unterbrechen. Man kann z.B. begründen, warum das Kind etwas machen soll, was es doof findet. Wenn es keinen Grund (stattdessen nur die Meinung eines Elternteils) gibt, wird sich das Trotzverhalten beider Parteien wohl nur weiter hochschaukeln. Sturkopf gegen Sturkopf.

2) Eine tiefenpsychologische Perspektive:

Warum halten manche Eltern eigentlich an ihrem Ziel fest, das Kind umstimmen zu wollen (sofern es sich natürlich nicht um überlebenswichtige Fakten handelt, wie z.B. „man spielt nicht mit Steckdosen“)? Ich habe mal irgendwo gelesen, dass ein Machtkampf (um banale Dinge wie Kleidung) offenbart, was sich tiefenpsychologisch abspielen könnte: da hat einer offenbar Angst davor, unterworfen zu werden, und sorgt quasi mit einer Vorwärtsverteidigung dafür, das Kind zu unterwerfen – um die eigene Angst zu bewältigen. „Ich kann nicht überwältigt werden, weil ich das Kind überwältigt habe“, sozusagen. Alternativ zu einer tiefenpsychologischen Abwehrreaktion kann man vielleicht noch mit Machtmotiven und Kontrollbedürfnis arbeiten. Das Kind will wirkmächtig über sich selbst sein, die Mutter will erzieherisch wirkmächtig handeln. Das kollidiert dann, wenn Meinungen bzw. Erziehungsziele nicht vereinbar sind. Das Kind will kontrollieren, was es trägt, die Mutter will kontrollieren, was das Kind tut. Auch das kann kollidieren und zum Kampf ausarten. Beide, Kind und Elternteil, reagieren allergisch darauf, wenn sie auf den Widerwillen des Anderen stoßen. Man muss allerdings sehr genau hinschauen, um zu erkennen, gegen was da eine Allergie besteht: Vielleicht verschiedene Definitionen von „vernünftigem Handeln“? Und verschiedene Selbstkonzepte? („Du als Kind brauchst meinen Kommentar“ vs. „Nein, ich bin ein selbstständig denkender Mensch.“).

Was man tun könnte:

Eltern können lernen zu reflektieren, warum sie was machen und inwiefern Alternativen besser sein könnten. Ein Streit schaukelt sich ja nur dann hoch, wenn man ihn „füttert“. Wenn man einfach aufhört zu kämpfen und dem Kind eine eigene Meinung zugesteht, erspart man sich viel Stress. Oder wenn man genau heraushört, worum es eigentlich geht, und das anpackt – statt von Beginn an gar nicht richtig zuzuhören.

Wenn man als Erzieher rechtzeitig merkt, dass man dem Kind gar keine zweite Meinung anbieten muss (weil es offensichtlich selbst sehr genau weiß, was es will, und dabei auf keine oder nur minimale Schwierigkeiten hinausläuft), dann muss man einfach davon ablassen, dem Kind eine aufdrücken zu wollen… Man muss sich vorher nur bewusst werden, dass man eine zweite Meinung liefert, die das Kind gar nicht braucht. Ohne Bewusstsein auch kein anderes Erzieher-Verhalten, glaube ich.

3) Eine kommunikationspsychologische Perspektive

Vielleicht ist diese Perspektive die „beste“. Sie basiert auf Friedemann Schulz von Thuns Kommunikationsmodell; das wiederum kombiniert viele andere Denkweisen miteinander (u.a. Watzlawik, Perls, Rogers, Tausch, Adler, Cohn.). Das ist eine der besten Analyse-Modelle für Kommunikation, die ich kenne, da es mit seinen „vier Seiten einer Nachricht“ fast alle Kommunikationsebenen und -schwierigkeiten zusammenfasst, die überhaupt auftreten können. Ich nutze das Modell regelmäßig im Alltag.

Warum entstehen Machtkämpfe? Das Modell antwortet sozusagen mit, „weil es auf falschen Ebenen geführt wird“. Die Mutter sendet (verbal) eine Sach-Aussage, rein faktisch, z.B. „im Sommer zieht man kurze Sachen an“. Nonverbal bzw. indirekt sendet sie jede Menge andere Dinge mit, auf die ein Kind meist auch reagiert. Es gibt einfach neben der Sach-Ebene auch noch eine Beziehungsebene, eine Selbstoffenbarung und einen Appell. Die Mutter sendet zwar verbal eine Sach-Aussage, aber nonverbal sendet sie auch:

  • 1.) eine Selbstoffenbarung, z.B., „ich bin jemand, der dir was beibringen will“,
  • 2.) einen Appell, und zwar, „tu doch einfach mal, was ich sage“ und
  • 3.) eine Beziehungsbotschaft, dergestalt, dass sie dem Kind anscheinend das Selbstdenken abnehmen will; Kind = unselbstständig, Beziehung = Helfer und Hilflose. Ein Teenager z.B. wird wohl besonders auf die Beziehungsbotschaft empfindlich reagieren, weil er/sie sich eigentlich abgrenzen und selbstständig machen will, vielleicht sogar spürt, dass er/sie bereits selbstständig denken kann. Eine Mutter, die einen dann bevormundet? Die einem sagt, was im Sommer angesagt ist? Soll das vernünftig sein? Vor allem, da ein Teenager jede Menge Sommer bereits hinter sich hat und Bescheid weiß? Das kratzt anscheinend an der Definition von „Vernunft“. Die Mutter findet es vielleicht vernünftig, wenn das Kind gehorcht, der Teenie wiederum findet es vernünftig, wenn er/sie sich selbst eine Meinung bildet. Wer nun „Recht hat“, ist irrelevant, sondern relevant ist, ob die Beziehung zwischen Kind und Elternteil strapaziert wird, oder nicht. Denn offenbar geht es manchmal in Wahrheit um Beziehung, und nicht darum, was „man“ im Sommer macht oder nicht.

Was man tun könnte:

Wie bei jeder Kommunikation ist auch bei dieser mehr als einer beteiligt. Also kann das Kind und die Mutter bei der Konfliktlösung mithelfen, statt nur einer alleine. Nützlich ist, wenn beide die richtigen Ebenen ansprechen. Wenn sich ein Streit darum dreht, was (hier) im Sommer angebracht ist und was nicht, läuft er eigentlich auf der falschen Ebene (Sach-Ebene). Er gehört aber eher auf die Beziehungsebene.

Wenn beide Seiten am Kooperieren, statt am Kämpfen interessiert sind, dann kann man versuchen:

  1. erst einmal Bewusstsein und Bildung über Kommunikation zu bekommen und
  2. diese dann auch professionell anzuwenden. Statt zu sagen, was „man“ im Sommer macht oder nicht, kann man umschwenken und Angebote machen: „Hör mal, wirst du nicht unglaublich viel schwitzen, wenn du so lange Sachen trägst?“ Das kann der Empfänger dann annehmen oder ablehnen. Ablehnend wäre z.B., „nein, hat vorher auch funktioniert“ (nonverbal: „lass mich in Frieden“). Annehmend wäre z.B., „kann sein, aber“ vs. „oh, stimmt, vielleicht ziehe ich doch was anderes an.“ Das ist allerdings nur Theorie und solange ich selbst keine Kinder habe, kann ich leider nicht bewerten, wie gut das klappt 😉

Welche dieser drei Perspektiven „richtig“ ist, d.h. welche davon „Recht hat“, ist wie gesagt eine irrelevante Frage, meiner Meinung nach. Es geht weniger um Wahrheit (welche so oder so subjektiv ist), sondern eher um Nutzen. Bringt mir eine der Perspektiven etwas? Wenn nicht, nehme ich eine andere oder bastel mir selbst eine. Erklärungen müssen nicht „richtig“ sein, aber sie sollten nützlich sein.

Wenn man unbedingt eine „richtige“ Erklärung haben möchte, kommt man um das Diskutieren nicht herum. Dann muss man gemeinsam eine Erklärung festlegen (etwas, das im Wechselspiel entsteht, z.B. ein Machtkampf, kann nur dann „richtig“ erklärt werden, wenn auch alle Wechselspieler mitdefinieren – alles andere läuft Gefahr, in subjektiv-einseitiger Illusion als wahr hingestellt zu werden). Und manchmal löst sich ein Konflikt am besten, wenn man sagt, „was soll’s, let’s agree to differ“ (man einigt sich auf Uneinigkeit).

 

Wie hättet ihr Machtkämpfe erklärt?

Oder was hättet ihr dagegen gemacht?

3 thoughts on “Machtkämpfe zwischen Eltern und Kind

  1. Patrick

    Hallo Lea

    Ja, ich bin der Patrick aus der Kritischen Psychologie (das muss mir merken!) 😉 .

    Ja, ich würde sagen das vieles besser zu verstehen und zu regeln wäre wenn man in die Tiefe geht, oder wie du es sagst „Statt am „Symptom“ herum zu doktern… packt man es doch besser gleich an der Wurzel“. Da sehe ich aber ein Problem welches nicht nur Teens in der Pubertät betrifft, sondern auch das ist für mich ein allgemeines Problem. Oft wirt nur das Symptom „bekämpft“ anstatt an die Ursache ran zu gehen. Beispiel Jugendkriminalität. Man steckt die Jugendlichen dann lieber in den Jugendknast und hofft auf eine Resozialisierung, gleichzeitig wird bei Einrichtungen gespart die den Jugendlichen einen gewissen Halt geben würden. Dazu kommt eben das, meiner Meinung nach, total auf Konkurrenz getrimmte Bildungssystem.
    Wenn ich daran denke weshalb ich in der Pubertät oft am „ausflippen“ war, dann stimme ich dir sogar mittlerweile fast uneingeschränkt zu. Manchmal war es aber auch einfach nur um sich von den Eltern zu lösen, sie zu ärgern und zu zeigen „hallo, ich bin die Opposition hier“.
    Ich weiß nicht wie ich damit umgehen werde wenn ich mal Kinder habe. Ob ich es immer schaffen würde das Problem an der Wurzel zu packen? Ich glaube aber das ich zumindest immer ein offenes Ohr hätte und wohl eher der Verständnisvolle wäre.

    Verbote sind für mich immer schlimm gewesen. Ich mag auch dieses Wort irgendwie nicht. Das klingt so hart und endgültig. Ich würde mir da eher „Gebote“ (allerdings nicht wie in der Religion) überlegen, die auch etwas flexibel sind. Wenn natürlich eine gewisse Gefahr für das Kind besteht, die das Kind selber noch nicht einschätzen kann, würde ich versuchen dem Kind das so einfach und gut zu erklären wie es nur möglich ist. Da sind wir wieder bei dem Thema „das Kind ernst nehmen“. Ich finde es schade das viele denken das man mit kleinen Kindern nicht auch mal diskutieren kann. Selbst wenn das Kind viel Phantasie rein packt und nicht an alles denkt, es reden zu lassen ist denke ich wichtig für die Entwicklung. Man kann ihm ja während des Gesprächs dann erklären weshalb man manche dinge im jeweiligen Alter besser nicht machen sollte. Aber es spürt dann trotzdem das auch die eigene Meinung gehört und respektiert wird.
    Wo wir ja quasi schon bei der Demokratie wären.
    Denke ich an meine Schulzeit, fällt mir nur ein Lehrer ein der nicht stur nach dem Lehrplan vorging, sondern sehr demokratisch und flexibel war. Und in der Zeit in der dieser Lehrer mein Klassenlehrer war hatte ich meine schönste und beste Zeit in der Schule. Er machte klar was alles gelernt werden musste und das wir uns an gewisse Regeln halten müssen, aber die Gestaltung des Unterrichts und der Art wie wir lernen wollten, gestaltete er mit uns zusammen. Er lies uns auch viel Spielraum in den einzelnen Themen, so das wir auch außerhalb des vom Lehrplan vorgesehen Stoffes einiges lernen konnten. Dazu kam das er wirklich auf jeden Schüler individuell eingegangen ist, da nun mal jeder ein anderes Tempo oder eine andere Art zu lernen hat. Er war auch sehr geduldig und ein sehr hilfsbereiter Lehrer und er konnte die Stärken die man hat erkennen und fördern genau wie er auch Rücksicht auf bestimmte Schwächen genommen hat.
    Ich würde mir wünschen das es mehr Lehrer dieser Sorte gäbe.
    Was Noten betrifft, denke ich wie du, denn diese totale Leistungsorientierung, gepaart mit diesem Konkurrenzkampf in der Schule führt unweigerlich dazu das Schüler „hinten runter fallen“ die diese Geschwindigkeit nicht mithalten können.
    Es ist noch nicht lange her, da habe ich mir überlegt weshalb man denn einen Schüler der ein Talent für, sagen wir mal, Physik hat, und die Hauptschule besucht, nicht gezielt fördert, anstatt von ihm zu verlangen auch in Fächern gut zu sein die ihm nicht liegen. Klar sollte Bildung breit gefächert sein, aber das schafft man auch ohne den Schüler in jedem Fach an die Leistungsgrenze bringen zu wollen. Man sollte vielleicht auch überlegen wie man sein Interesse an anderen Fächern wecken könnte, so das er dort auch etwas mitnimmt. Aber Zwang bewirkt nun mal rein gar nichts.

    Irgendwie bin ich nun schon recht weit weg vom eigentlichen Thema.
    Ich denke auch das man Machtkämpfe verhindern kann durch in die Tiefe gehen, aber ganz „besiegen“ wird man das nicht. Die Pubertät ist eine rebellische Zeit, in der man auch Grenzen auslotet, da bleiben eben auch Machtkämpfe nicht ganz aus. Selbst wenn ich meine Idealvorstellung von Erziehung irgendwann umsetzen könnte und das auch noch klappt, wird es trotzdem zu Reibungen kommen, aber ich denke das diese Reibungen auch wichtig sind. Man könnte ja auch überlegen ob es dann evtl. sogar förderlich ist wenn man das Kind quasi herausfordert seinen Standpunkt zu vertreten. Wenn man das Kind so herausfordert und am Ende dem Kind auch sagt das man es gut findet das es zu sich und seiner Meinung steht, stärkt man auch irgendwo sein Selbstvertrauen. Ob ich es wirklich schaffen würde dies immer so umzusetzen steht quasi in den Sternen, aber der Grundgedanke, denke ich, ist gar nicht so falsch.

    So, dann mal einen lieben Gruß vom „kritischen“ Patrick 😉

    Reply
  2. Patrick

    Also aus meiner Sicht stellt es sich oft so dar das Eltern versuchen aus ihren Kindern eine Art „Mini Me“ zu machen. Man versucht Kinder davon abzuhalten eigene Erfahrungen zu sammeln, nur weil man selbst evtl. mal die eine oder andere schlechte Erfahrung gemacht hat. Aber schlechte Erfahrungen gehören eben zum Lernen und Leben dazu. Man sollte meiner Meinung nach nicht versuchen das Kind zu bevormunden um jeden Preis, es gibt Situationen in denen das angebracht ist, aber wie in deinem Beispiel gibt es Situationen in denen dieses „ich bin hier der Chef“ eher zerstörerisch wirkt als das es einen „Erziehungseffekt“ hätte. Machtkämpfe sind ja irgendwie normal, in der Pubertät gehören sie ohnehin dazu, als Teen versucht man eben seine Selbstständigkeit zu erlangen, das da auch mal was schief geht ist doch normal.
    Ich denke Kinder müssen nicht ständig in Angst leben, aber genau das bewirken viele Eltern mit ihrer Überfürsorge. Auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe und nicht weiß wie es wird wenn es denn mal dazu kommt, ich habe immer gerne mit Kindern zu tun, sie sind offen und haben von sich aus keine bösen Gedanken, vieles wird ihnen von den Eltern eingeredet oder vorgelebt. Sie wollen die Welt auf ihre Art entdecken, und diese Art ist eben spielerisch. Und ich würde einen Teufel tun ihnen das zu verbieten. Mal abgesehen von den Sachen die verständlicher weiße nicht gut „kommen“, also ohne zu schauen über die Strasse rennen etc. Ich rede eher davon das es Eltern gibt die sich aufregen wenn ihr Kind mal wieder die Klamotten dreckig macht. Man, es ist ein Kind!
    Ich denke auch das es in den meisten Fällen kein „ich habe Recht“ gibt. Jeder Mensch tickt irgendwo ein wenig anders, also sollte ich das auch meinem Kind zugestehen und ihm so auch die viel beschworene Demokratie vorleben. Denn wie soll ein Kind lernen was Demokratie ist wenn ihm diese im eigenen Zuhause nicht vorgelebt wird. Nochmal, ich spreche nicht über Dinge die ganz logisch betrachtet ohnehin nichts für Kinder sind. Ich rede davon das man ein Kind ernst nehmen sollte, egal wie alt es ist, und es nicht einfach nur als „Mini Me“ oder, was mir oft so vorkommt, als Statussymbol benutzen.
    Kinder haben etwas ganz tolles. Viel Phantasie! Diese wird aber oft durch Überfürsorge und ein enges Weltbild zerstört. Wenn ich ein Kind ein Bild malen lasse, dann lasse ich es dies auch so malen wie es das Kind für richtig hält, ohne ständig zu sagen das man dies oder das eigentlich anders malt. Wenn das Kind einen Löwen in Pink malt dann lass es doch und zerstöre diese Phantasie nicht durch die eigene enge Sicht der Dinge.
    Klar habe ich eine gewisse Weltanschauung, wenn mein Kind aber seine eigene Meinung darüber hat dann freut mich das doch eher als das es mich stört. Was will man mehr als ein Kind mit eigener Meinung und eigenen Ideen? Ich glaube auch nicht das sich ein Kind welches in etwa so erzogen wird das es Demokratie versteht und lebt für das meinem Weltbild gegenteilige Weltbild entscheiden würde (ich meine hier das Weltbild des Faschismus und Rassismus), da wäre ich dann schon eher bitter enttäuscht. Aber niemals wäre ich enttäuscht wenn es sich dafür entscheidet einen anderen Fußball Verein toll zu finden oder sich für einen anderen sexuellen Lebensentwurf zu entscheiden.
    So, ist zwar recht einfach dargestellt, und vielleicht habe ich auch nicht alles aufgegriffen aus dem Artikel, manches fällt mir halt etwas schwerer, da ich ja nun keiner vom „Fach“ bin, aber ich hoffe ich konnte meine Meinung einigermaßen verständlich darstellen!? 😉

    Gruß Patrick

    Reply
    1. Lea Fuhs

      Hallo Patrick (Patrick aus der Kritischen Psychologie? :-) ),

      Danke für deinen Kommentar. Ich stimme mit vielen, was du sagst, überein. Nur manche Dinge sehe ich etwas anders, z.B.:

      „Machtkämpfe sind ja irgendwie normal, in der Pubertät gehören sie ohnehin dazu“ → Da bin ich mir nicht sicher. Viele „Aggressionen“, die ich selbst in der Pubertät hatte, kann ich (vielleicht erst im Nachhinein) erklären und begründen. Ein Beispiel dazu: Eine Deutschlehrerin verlangte immer „ein Gedanke pro Satz“, was mich nervte, weil ich nicht so primitiv schreiben wollte (ist natürlich erst einmal in meiner subjektiven Sicht „primitiv“ gewesen, es kann ja auch positiv ausgelegt werden). Die ein oder andere Rebellion war wohl tatsächlich grundlos, aber vieles hatte einen Grund. Würde man versuchen, den immer herauszufinden, könnten manchen Aggressionen vielleicht der Nährboden entzogen werden. Statt am „Symptom“ herum zu doktern (das Gemecker entfernen zu wollen) packt man es doch besser gleich an der Wurzel (dem Grund). Ich glaube, so ein Konzept wäre in vielen Fällen erfolgreich.

      „Mal abgesehen von den Sachen die verständlicher weiße nicht gut “kommen”, also ohne zu schauen über die Strasse rennen etc.“ → Finde ich auch. Verbote o.Ä. sollten gut begründet sein, und ein sehr guter Grund ist „Gefahr für ein Kind“.

      „Denn wie soll ein Kind lernen was Demokratie ist wenn ihm diese im eigenen Zuhause nicht vorgelebt wird.“ → Volltreffer. So würde ich auch argumentieren… Und meiner Meinung nach muss (Basis)Demokratie auch dringend in Schulen rein. Denn nach wie vor läuft’s meistens so, dass der Lehrer fast alles darf und die Schüler fast nichts. Schüler empfangen „Befehle“, getarnt in gut gemeinten und gut vorgeplanten pädagogischen Schachzügen, die man als „Unterrichtsvorbereitung“ bezeichnet. Für mich wäre dieser Begriff positiver konnotiert, wenn er nicht mit so viel Zwang einhergehen würde. Und wenn es keine Noten gäbe…

      Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.