ADHS & Ritalin

By | 19. September 2014

(Welche Argumente benutzen Ritalin-Verteidiger?)

Ich beschäftige mich gerne mit dem Thema ADHS und Ritalin. Es ist praktisch immer aktuell und auch stark umstritten. Im Laufe der Zeit sind mir von den Ritalin-Befürwortern immer wieder ähnliche Argumente begegnet. Diese habe ich hier mal gesammelt und (mit Hilfe von Freunden und Betroffenen, die auch ADHS haben) reflektiert. Die grundlegende Frage, die ich mir stellte, ist: Wie rechtfertigen oder begründen Menschen die These, Ritalin zu nehmen sei gut / wichtig / legitim / heilsam o.Ä.? Vier Argumente kommen dabei immer mal wieder vor. Mein Ziel ist, jedes einzeln kritisch zu hinterfragen.

Die vier Standard-Argumente sind:

  1. Das Brillen-Argument: „Warum sollte man ADHSlern Ritalin verbieten – man verbietet einem Kurzsichtigen ja auch nicht eine Brille, mit der Begründung, er müsse sich nur mal etwas mehr anstrengen, um genauso gut zu sehen wie alle Anderen?“
  2. Das unterlassene-Hilfeleistung-Argument: „Einem ADHSler Ritalin zu verweigern grenzt an unterlassene Hilfeleistung (und ist daher illegitim)! Der ist krank und hat ein Recht auf Hilfe.“
  3. Das Gerechtigkeitsargument: „ADHSler leiden unter einer Gehirnfunktionsstörung und es ist nur gerecht, wenn sie diese Störung mit Ritalin ausgleichen – Chancengleichheit für alle! Vor allem im Leistungswettbewerb.“
  4. Das Natürlichkeitsargument: „Mit Ritalin kann ich [ein ADHSler] endlich so sein, wie ich wirklich bin; dann werde ich nicht mehr abgelenkt und kann mich viel besser konzentrieren.“

Meine Kritik dazu lautet nun folgendermaßen:

1) Das Brillen-Argument

Zunächst einmal: Vergleiche sind sehr kraftvoll und wirken plausibel. Die instinktive Reaktion auf den Vergleich zwischen Kurzsichtigen und ADHSlern könnte sein, „Mein Gott, natürlich, du hast Recht, wie blödsinnig es doch ist, Betroffenen ein völlig normales Hilfsmittel zu verbieten!“ Bei genauerem Hinsehen erweist sich das aber als ein Vergleich, der hinkt.

Zum Beispiel kann man hinterfragen, ob die Tatsache, dass Kurzsichtige Brillen tragen, auch automatisch heißt, dass es genauso normal sei, dass sich ADHS-Menschen mit Drogen therapieren.

Zweitens, Brillen für Kurzsichtige beheben lediglich das Problem, schlecht auf kurze Distanz zu sehen, Ritalin kann aber viel mehr (als nur einen) Bereich beeinflussen (dazu können u.a. Motivation, Emotion, Antrieb, Kognition, Sprache und Wahrnehmung gehören).

Drittens, Kurzsichtigkeit hat eine überschaubare Anzahl von Ursachen, während ADHS sehr viele Ursachen haben kann, welche nicht alle implizieren, dass Ritalin der einzige Ausweg ist.

Viertens, man darf gerne kritisieren, warum man es als normal betrachtet, dass Kinder in Schulen in ein Einheitsraster gepresst werden und Verhaltensauffälligkeiten sehr schnell als „das Kind ist schuld“ ausgelegt werden (Fachjargon: internal stabile Attribution). Das blendet eigentlich weitere Erklärungen aus, z.B., dass der Unterricht das Kind langweilt, oder, dass ein Kind schlichtweg nicht stundenlang auf seinem Hintern sitzen will, weil der irgendwann einfach weh tut.

Fünftens, um mal etwas Triviales zu sagen: Brillen kann man auf- und wieder absetzen – sie haben auch bei Weitem nicht die Langzeitwirkungen einer Droge. Etwas Komplexes kann man einfach nicht mit etwas sehr Simplem gleich setzen. Ritalin ist keine harmlose oder zwanghaft notwendige Stützhilfe. Und Brillen verändern auch nicht unbedingt das Gehirn (bzw. nicht auf die Art, wie Ritalin es tut).

Sechstens: Menschen mit ADHS sind gesellschaftlich lange nicht so gleichberechtigt und „normal“ wie Brillenträger. Jemand, der sagt, „ich brauch halt einfach eine Brille, das ist eben so“, ist nicht zu vergleichen mit jemandem, der sagt, „ich hab ADHS und brauch halt Ritalin, das ist eben so“, weil (witzigerweise ähnlich wie bei Brillenträgern) immer mehrere Strategien zur Auswahl stehen. Konzentrationstrainings, aufmerksame Lehrer, Erweitern von Handlungsmöglichkeiten der Schüler im Unterricht (z.B. „wer sich langweilt, kann … machen“) sind ebenfalls Taktiken, mit denen man den ADHS-Phänomenen entgegen kommen kann. Im günstigsten Fall könnte man theoretisch wohl fast alle Schwierigkeiten, die Ritalin behebt, auch anders beheben (durch Umwelt verändernde Maßnahmen). Medikamente sind meiner Meinung nach ein Stück weit chemische Gewalt, und es ist fraglich, wann oder warum man ausgerechnet diese Strategie benutzt, statt andere.

2) Das unterlassene-Hilfeleistung-Argument

Hinter dieser Behauptung sind weitere versteckt, nämlich erstens, dass ADHS eine Krankheit ist und dass daher alle mit dieser Diagnose auch als „gestört im Gehirn und/oder leidend“ beschrieben werden, und zweitens, dass es jemanden gibt, der über alle ADHS-Menschen definiert, dass sie hilfsbedürftig sind.

Zum ersten kann man kurz sagen, dass Menschen nicht nur unter sich selbst leiden können, sondern auch sehr stark unter ihrer Umwelt, die sie schlecht behandelt (Eltern, Lehrer, Peers). Sofern die Umwelt den größten Leidensdruck verursacht, ist es kontraproduktiv, den Leidtragenden abhärten zu wollen, statt (auch) die Umweltdynamiken zu verändern. Eine Droge sollte vielleicht, wenn überhaupt, das letzte Mittel sein, nicht das erste (bzw. nicht das einzige).

Zum zweiten ist zu sagen, dass es zwar gut ist, wenn es Experten gibt, die Ahnung haben, aber dass das gleichzeitig auch sehr gefährlich sein kann. Autoritätsgehorsam gegenüber vermeintlichen „Experten“ kann in Gewalt und Schlimmerem enden (siehe z.B. Milgram-Experimente). Daher ist es fraglich, ob z.B. Eltern einer Autorität gehorchen wollen, die Drogen verschreibt, welche ihr Kind depressiv machen können (eine der möglichen Nebenwirkungen). Gerne darf man das auch auf eine Gesellschaft ausweiten und reflektieren, was das für eine Welt ist, in einerseits Drogen immer normaler werden und andererseits der Leistungsdruck auch immer weiter ansteigt.

Im Einzelfall halte ich eine medikamentöse Behandlung jedenfalls nur dann für legitim, wenn einige Bedingungen zutreffen: Ein Mensch leidet (möglichst eindeutig) unter sich selbst + alle Involvierten (also Eltern und Leidtragender) sind voll informiert darüber, was sie mit Ritalin tun + es besteht Klarheit und Bewusstsein darüber, dass man die Droge jederzeit auch absetzen kann + es findet zeitgleich zur medikamentösen Therapie auch eine Psychotherapie statt, sodass Ritalin klar erkennbar nur ein Hilfsmittel oder eine Starthilfe zur Verhaltensänderung ist, und nicht ein Mittel, das Symptome lediglich unterdrückt (ohne unterstützende Therapie). Läuft eine Behandlung darauf hinaus, lebenslang Ritalin zu beinhalten, halte ich sie für ethisch unhaltbar. Läuft eine Behandlung dagegen darauf hinaus, Ritalin lediglich als therapeutische Unterstützung zu nutzen und es daher als „langfristig entbehrlich“ zu betrachten, halte ich sie für legitim!

Beispiel (einer Freundin von mir): Sie erzählte von einem Jungen mit ADHS, der sich davon gestresst und belastet fühlte, dass in seinem Kopf „immer zehn Radioprogramme gleichzeitig laufen“. Ritalin hat diesen Stress offenbar effektiv gelindert. Hier ist Ritalin legitim, meiner Meinung nach.

Weiteres Fallbeispiel: Ein Junge zappelte viel in der Schule und hatte starken Bewegungsdrang (außerdem langweilte er sich schnell im Unterricht und passte nicht auf). Bei ihm wurde ADHS diagnostiziert und Ritalin verschrieben. Er wurde daraufhin depressiv und musste das Medikament wieder absetzen (danach ging es ihm wieder besser, daher vermute ich stark einen kausalen Zusammenhang zwischen seiner Depression und den Medikamenten). Das halte ich für illegitim, einerseits, weil der Junge mit Ritalin offenbar anders litt bzw. immer noch litt, andererseits, weil systemische Interessen, hier, das der Schule, auf Kosten eines Individuums durchgesetzt wurde, also, das Stillsitzen. Dass der „Zappelphillip“ vielleicht ganz andere Interessen und Bedürfnisse hatte, nämlich u.a. das Herumlaufen, wurde offenbar überhaupt nicht berücksichtigt und auch nicht in den Therapieplan einbezogen. In dieser Variante ist Ritalin ethisch verwerflich und als prinzipielles Vorgehen auch nicht haltbar (Kants kategorischer Imperativ).

Kurz: Wer braucht im Einzelfall Hilfe von wem und warum? In Fall 1 (hier) brauchte der Junge Hilfe von einem Medikament, weil ihm sein eigener Kopf Leiden verursachte. In Fall 2 brauchten wahrscheinlich Eltern und Lehrer Hilfe von Ritalin, weil der Junge einfach nicht still sitzen wollte. Weil es in Fall 2 weder Leidensdruck beim Betroffenen gab, noch irgendeine Umwelt verändernde Maßnahme (geschweige denn „richtige“ Therapie), ist das Prinzip in Fall 2 nicht haltbar.

3) Das Gerechtigkeitsargument

„Leistungschancen sollen durch Ritalin vergleichbarer werden“… Diese Annahme kann man wohl sehr schnell in den Boden treten, denn Chancengleichheit gibt es sowieso nicht. Wenn ein ADHSler sagt, Leistungswettbewerb ist nur dann fair, wenn er Ritalin nimmt, stehen andere wiederum doof da, z.B. Menschen mit Legasthenie (Menschen mit abweichenden Interessen usw.). Dem ADHS-Menschen steht ein fragwürdiges Aufputschmittel zur Verfügung, einem LRSler aber nicht. Wo ist da die Chancengleichheit?

Was impliziert Chancengleichheit überhaupt? Es scheint ja so zu tun, als wären menschliche Leistungen miteinander vergleichbar (oder in dem Fallbeispiel, als wäre Nachhilfe für den LRSler mit Ritalin für ADHSler vergleichbar). Das sind sie aber schlichtweg nicht, da Menschen niemals gleiche Ausgangsvoraussetzungen haben und da außerdem nicht jeder Einzelne seine Schwächen kompensieren möchte, welche vielleicht nur deswegen als Schwäche entdeckt werden, weil jemand anderes ihn zwingt, dort Leistung zu erbringen (durchgesetzt mit Hilfe von Unterrichtspflicht und Prüfungszwang).

Beispiel: Ein Mensch mit der Diagnose ADHS will später ein Fach studieren, das mit einem NC belegt ist. Er erkennt, dass er ohne Ritalin in der Schule diesen NC niemals bringen wird. Mit Ritalin aber vielleicht schon. Was wird er also tun, um sein Ziel zu erreichen? Drogen nehmen, so einfach ist das. Hat er eine Störung? Es kann auch sein, dass das Gesellschaftssystem dahinter gestört ist.

Zurück zum Argument: Nehmen wir mal an, alle würden Drogen nehmen und sich selbst optimieren. Es wird aber trotzdem noch Unterschiede geben, nur dann aus anderen Gründen, z.B. aufgrund genetischer Unterschiede (da ja die Umweltbedingungen für alle optimiert wurden, können Unterschiede nur noch auf unterschiedliche Gene zurückgeführt werden) oder wegen Zufällen (zufällig den idealen Testzeitpunkt im Biorhythmus erwischt, zufällig „hat man einen guten Tag“, usw.). Es gibt also so gesehen keine Gerechtigkeit, weil Noten so oder so nicht fair oder irgendwie menschenfreundlich sind. Sie sind jedenfalls so lange nicht humanistisch, solange wir mit Noten weiterhin so umgehen, wie wir es bisher immer getan haben.

4) Das Natürlichkeitsargument

Wie logisch ist es, zu sagen, dass ein Mensch, der Drogen nimmt, natürlicher ist als jemand, der keine nimmt? Warum denkt jemand, dass Menschen mit ADHS erst dann ihr „wahres Gesicht“ zeigen, wenn eine Droge dies freisetzt? Hinter dieser Erleichterung, endlich mal natürlich zu sein, scheint (wieder einmal) ein Druck von außen zu stehen, statt einer von innen. Dieser Druck wird dann irgendwann verinnerlicht und mit einem Selbst-Anspruch verwechselt, der eigentlich ursprünglich von außen kam.

„Ich will mich ja konzentrieren, es interessiert mich ja auch!“, kann einerseits als verinnerlichter Leistungsdruck ausgelegt werden, oder auch als falsche Vorstellung, insofern, als Ritalin der einzige Ausweg aus der eigenen unkonzentrierten Lage sein soll. Falsch! Man kann den Vortrag (oder was es auch ist) auch auf Video aufnehmen und später nochmal anschauen, wenn man beim ersten Hören etwas verpasst hat.

Oft kommt es ja vor, dass Menschen mit ADHS wenig Anerkennung (z.B. von Lehrern oder kritischen Peers) bekommen, da ihr Verhalten dauernd abweicht. Also nehmen manche von ihnen Drogen, um besser klarzukommen und verwechseln das manchmal auch mit „echter Akzeptanz“. Der Einheitsbrei als Leidlöser? Das bezweifle ich jedenfalls.

Kurz noch einmal zum Thema Natur: Wenn die Natur, dein eigenes Bedürfnis, dir sagt, „beweg dich!“, „guck woanders hin!“, dann ist es seltsam, dies mit Ritalin verhindern zu wollen. So gesehen greift man in die eigene Natur ein, um sie der anzupassen, die andere haben wollen. Natürlich ist das also eigentlich nicht.

Nochmal kurz zusammengefasst:

  1. Der Vergleich Brille = Ritalin hinkt, weil Drogen konzeptuell (und gesellschaftlich) ganz anders sind als Brillen. Ritalin ist außerdem nicht der einzige oder alleinige Weg.
  2. Mit Hilfe zu argumentieren ist heikel, weil man z.B. dazu verleitet wird zu glauben, ein Experte wüsste besser, wie sehr ein Betroffener leidet, als der Betroffene selbst.
  3. Chancengleichheit gibt es nicht. Leistungssysteme müssen verändert werden, nicht (immer nur) einzelne Menschen.
  4. Natur und Ritalin schließen sich eigentlich gegenseitig aus.

 

Was denkt ihr darüber?

Befürwortet oder kritisiert ihr Ritalin?

Welche Punkte unterstützt oder kritisiert ihr?

7 thoughts on “ADHS & Ritalin

  1. Konrad

    Ich selbst studiere Lehramt, habe ADHS, mache seit längerem Psychotherapie und werde demnächst noch einmal verstärkt auf Methylphenidat zugreifen, da die Therapie alleine mir eigentlich nicht reicht. Generell bin ich kein Fan davon, mich in so frühen Jahren schon einer dauerhaften Medikation zu unterziehen, jedoch steigert es einfach meine Lebensqualität.

    Natürlich ist die Gesellschaft an dem „Scheitern“ von Leuten mit ADHS Schuld. Selbst noch in den frühen Nachkriegsjahren gab es weniger Wahlfreiheit und man lebte das Leben, welches die Eltern ebenfalls gelebt haben und hatte meistens sogar noch den Beruf des Vaters übernommen. Ein Leben in solch engen Schienen ermöglichte dieses Scheitern erst gar nicht.
    Die Wahlfreiheit kommt in unserem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem leider eben auch mit einem Leistungsdruck und daher ist es nun auch möglich mit ADHS mehr zu scheitern. Daher erklärt es sich auch, warum es „ADHS früher nicht“ gab, wie es viele Skeptiker auch so oft sagen.

    Nur was bringt es mir als betroffener, zu wissen woran das liegt? Nichts. In meinem Leben wird sich all dies nicht mehr ändern und wenn ich ein erfolgreiches, glückliches und selbstverwirklichendes Leben haben will, brauche ich auch Methylphenidat, da ich sonst schon im Alltag an so „simplen“ Dingen wie der Uni scheitere, obwohl ich selbst von mir weiß, dass meine Fähigkeiten die vieler Kommilitonen weitaus überschreitet.

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    1. Lea Fuhs Post author

      Hallo Konrad, danke für deinen Kommentar. Die geschichtliche Entwicklung von ADHS-Betroffenen hat mich nachdenklich gemacht; so habe ich es bisher noch nicht gesehen, bin aber dankbar für diese neue Sichtweise. Wenn ich darüber „sinniere“, wie man denn ADHS-Medikamente überflüssig machen könnte, komme ich noch nicht so gut weiter. Es gibt andere Bewältigungsstrategien als Methylphenidat, aber die klappen nicht bei jedem… Eine Andere hat mir erklärt, ohne es wird sie schnell extrem müde und kriegt dann nichts mehr auf die Reihe, was natürlich auch beim Lernen stört. Ich habe mich mittlerweile wieder anders entwickelt; vorher war ich schon sehr Medikamenten-kritisch, jetzt hat sich das wieder gelockert. Denn zu sagen, dass Meds völlig unnötig seien, ist eine Extremthese, und extrem fand ich eigentlich noch nie gut oder zutreffend… Sie sind für die nötig, bei denen es eben nicht anders geht (vorübergehend). Darf ich fragen, welche Ziele du bei der Therapie verfolgst? Denn ich habe bisher gehört, dass ADHS häufig problematisch ist, weil die Umwelt damit nicht umgehen kann (gilt eher für Schulkinder). Andererseits kann die Umwelt auch nicht für jeden „eine Extrawurst braten“ und Betroffene lernen auch dazu, soweit es geht… Vielleicht gehts bei dir u.a. um Alltagsmanagement?

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      1. Konrad

        Hallo Lea,

        in meiner Therapie geht es zum Großteil um Alltagsmanagement. Damit ist dann nicht nur das bewältigen der Universität gemeint (jedoch nimmt das den Großteil ein), sondern auch die Hilfe bei der Bewältigung von vielen anderen Problemen und Problemchen, bei denen mein ADHS fast immer eine Rolle spielt.

        Ich selbst hoffe übrigens, dass ich nach meiner Universität wieder von Methylphenidat weg komme. In meinem sonstigen Alltag komme ich auch ohne klar und in meinen Jobs kam ich vorm Studium auch prima ohne zu Recht. Vor allem das Lernen und Hausarbeiten machen mir das Leben schwer. Mein Therapeut erzählte mir, dass er mehrere Leute mit ADHS in Behandlung hatte, die später Lehrer geworden sind. Die Tätigkeit des Lehrers (der Unterricht ja sowieso, aber auch die Konzeption der Stunden und das Korrigieren) ist ja sehr sequenziert und beinhaltet in sich geschlossene und somit schnell abzuhakende Tätigkeiten. Somit super auch mit ADHS gut klar zu kommen, daher will ich nach dem Studium wieder weg davon.

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  2. Lily

    Dein Post strotzt leider nur so voller Voruteile und viel Unwissen.
    Jemand, der sich wirklich ausgiebig und neutral zu einem Thema äußert, der schreibt nicht „Droge“ wenn es sich um ein MEDIKAMENT handelt oder „Ritalin“, als Eigenennamen für den Wirkstoff Methylphenidat.

    Deinem Text merkt man an, dass du nir wenig Ahnung von der ganzen Materie hast und dich auf viele Vorurteile beschränkst. Du siehst die Welt auch scheinbar durch eine rosa rote Brille. Du schreibst die Gesellschaft sei Schuld an der ganzen AD(H)S Problematik. Das ist nicht richtig, jemand, der sich mit ADHS wirklcih aus kennt weiß, dass es sich bei AD(H)S um eine Neurotransmitterstörung handelt. AD(H)S findet also im Gehirn statt!!!

    Auch dein Argument LRS mit AD(H)S zu vergleichen ist sehr widersprüchlich zu deiner Brillen-AD(H)S-Vergleich These. Du kannst genauso wenig einen Brillenträger mit einem ADHSler vergleichen, wie einen LRSler mit einem AD(H)Sler.

    Ich bin (war) leider beides. Bin jetzt 15. Meine Rechtschreibung deutet kaum noch auf eine LRS hin, durch eine monatelnge Therapie habe ich meine Probleme ziemlich gut im Griff. Meine ADHS leider noch nicht. Obwohl ich schon länger AD(H)S Therapien machen bin ich immer noch auf Medikamente angewiesen und nicht, weil ich es der esellschaft recht machen muss, sondern mir. Du vergisst scheinbar, dass man selber leidet, wenn der Kopf nicht ganz das macht, was man ihm abverlangt….

    Und ein ganz ganz großes Problem hast du über sehen, bei deinem Argument: ein Schüler mi LRS kann einen Nachteilsausgleich beantragen. Je nach Bundesland bekommt er/sie Erleichterungen. Ein ADHSler hat diese Möglichkeit nicht!

    Ich könnte dir noch weitere Inkompetenz aufzeigen, aber das solll für’s erste reichen.

    Denk doch mal in Zukunft etwas besser nach, wenn du so einen Text verfasst. AD(H)S ist immer ein sensibles Thema und wenn man aufklären möchte, dann sollte man es auch möglichst sensibel angehen und das heißt sich gründlich informieren!

    LG Lily

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    1. Lea Fuhs

      Hallo Lily,

      Danke für deinen Kommentar. Ich versuche mal, auf alles einzugehen, was du sagst:
      Die Wortwahl: „Droge“ nehme ich, um ein wenig zu provozieren, ja.
      „Ritalin“ sage ich, weil ich dachte, dass es leichter verständlich ist als Methylphenidat und nicht etwa, weil ich den Namen nicht kennen würde.
      Die Gesellschaft sei schuld → Ja, in den Fällen, in den eigentlich kein Methylphenidat gebraucht wird und wenn du meinen Text differenziert gelesen hättest, wäre dir vielleicht dieses Zitat hier hängen geblieben: „Beispiel (einer Freundin von mir): Sie erzählte von einem Jungen mit ADHS, der sich davon gestresst und belastet fühlte, dass in seinem Kopf „immer zehn Radioprogramme gleichzeitig laufen“. Ritalin hat diesen Stress offenbar effektiv gelindert. Hier ist Ritalin legitim, meiner Meinung nach.“ Ich sage also nicht, dass die Gesellschaft immer Schuld ist, sondern, dass in manchen Fällen wirklich ein Mensch einfach nur leidet und das Medikament dann helfen kann.
      „AD(H)S findet also im Gehirn statt!!!“ Du meinst also, es sei inkompetent, nichts davon zu schreiben… In Wirklichkeit habe ich das kritisch hinterfragt (dass alle ADHSler als krank abgestempelt werden auch wenn viele davon es nicht sind), und wenn das aus deiner Sicht Inkompetenz ist, kann ich leider nichts dagegen machen. (Fällt dir denn auch auf, dass du selber vielleicht noch nichts von sozialer Etikettierung und Attributionsstilen gehört hast?)
      „Du kannst genauso wenig einen Brillenträger mit einem ADHSler vergleichen, wie einen LRSler mit einem AD(H)Sler.“ Also Teil eins hast du falsch verstanden. Das Argument mit der Brille stammt gar nicht von mir, denn ich kritisiere es ja (weil es von Anderen abstammt, deren Argumente ich eben hinterfrage). Und der Vergleich mit LRS habe ich gewählt, um zu zeigen, dass es Chancengleichheit nicht gibt. Vielleicht hätte ich ein anderes wählen sollen. (Überlege mal, was es bedeutet, einen Nachteil ausgleichen zu müssen… Wer hat es als Nachteil definiert? Von wem kam als erstes der Impuls, Rechtschreibung zu lernen? Bei manchen LRSlern ist es vielleicht nicht der Mensch mit dem Problem selbst, sondern seine Eltern oder Lehrer, ungefähr das wollte ich kitisch hervorheben.)
      „Du vergisst scheinbar, dass man selber leidet, wenn der Kopf nicht ganz das macht, was man ihm abverlangt….“ → Wie gesagt, dazu habe ich etwas geschrieben (s.o. Das Beispiel mit den Radioprogrammen im Kopf) also habe ich nichts vergessen.
      Es wäre spannend, zu erfahren, was ich noch lernen sollte, aus deiner Sicht. Vielleicht hast du ja Lust, es mir zu zeigen.

      Reply
  3. Sascha

    Ich habe deinen Artikel angefangen zu lesen und wollte mich erst aufregen, aber im Prinzip kann ich dir dann doch zustimmen. Ich habe ADHS und nehme Methylphenidat (falls du dich weiter mit dem Thema beschäftigst, wäre es nett wenn du den Wirkstoffnamen statt eines Markennamen benutzt!).
    Ich nehme das Zeug, weil ich tatsächlich in den Strukturen, in denen ich stecke (Uni, Haushalt, Geld) ohne zwar irgendwie über die Runden komme, das aber nicht als lebenswert empfinde. Ich würde liebend gerne die Umgebung wechseln, ich weiß genau in welcher Umgebung ich MPH gar nicht brauche, aber das ist zur Zeit absolut unerreichbar. Es ist definitiv ein Gesellschaftsproblem, dass Medikamente notwendig sind für Menschen wie uns um „reinzupassen“. Ich bin nicht krank, ich bin froh, anders zu sein, aber anscheinend funktioniert das hier leider nicht. Und deshalb sehe ich mich gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, mit denen es mir leichter fällt, den Alltag nicht nur zu überstehen sondern auch zu leben (Coaching und Verhaltenstherapie nutze ich auch).
    Dein Artikel ist durchdacht und es freut mich, dass du nicht einfach gegen Methylphenidat bashst und sagst, es muss auch anders gehen. Danke!

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    1. Lea Fuhs Post author

      Hallo Sascha,

      Danke, dass du so differenziert herangehst (du hättest den Beitrag ja auch direkt als “blödes Ritalin Bashing” abstempeln können). Ich kann gern versuchen, mir eine andere Wortwahl anzugewöhnen; es ist nur schade, wenn man dann seltener verstanden wird (nicht alle kennen Methylphenidat, aber viele kennen bestimmt den Begriff Ritalin).
      Ich glaube, wenn du ohne die Medikamente leidest, ist es doch legitim, es zu nehmen. Leidensdruck und Alternativlosigkeit sind meiner Meinung nach gute Gründe… Ich habe auch bewusst versucht, zu erwähnen, wann ich es okay finde, dass Menschen das einnehmen. Ritalin als “Feindbild” hinzustellen und quasi zu sagen “es ist immer schrecklich” wollte ich unbedingt vermeiden. Ich freue mich, weil das anscheinend gelungen ist :-)

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